Prof. Dr. Christine Graf

  • Prof. Dr. Christine Graf, Deutsche Sporthochschule Köln © Axel Schulten
    Prof. Dr. Christine Graf, Deutsche Sporthochschule Köln © Axel Schulten
05.2018

Spannende Erkenntnisse im Bereich der Lebensstilforschung. Im Gespräch mit Prof. Dr. med. Dr. Sportwiss. Christine Graf. Die Sporthochschule Köln ist die einzige deutsche Sportuniversität. Gemeinsam mit dem Schul- und Gesundheitsamt, dem Stadtsportbund Köln, der AOK Rheinland/ Hamburg sowie des Kölner Herzzentrums hat die „SpoHo“ das CHILT Projekt (Children’s Health InterventionaL Trial) entwickelt. Ein stufenförmiges Programm zur Prävention und Therapie von Übergewicht und Adipositas im Kindesund Jugendalter. Wir fragen Frau Prof. Graf, ob Kinder wirklich immer dicker werden, was man tun kann und wohin Frau Prof. Graf gerne essen geht ...

Frau Professor Graf, Sie sind Sportmedizinerin an der Deutschen Sporthochschule. Aktuell forschen Sie auf dem Gebiet der Bewegung und der Ernährung. Was haben Sie heute Morgen gefrühstückt?

Einen Espresso Macchiato und eine Butterbrezel. Gerne esse ich aber auch griechischen Joghurt mit Walnüssen, Honig und Obst.

Heute wissen die meisten, dass Bewegung und gesunde Ernährung gut für uns sind. Welche Forschungsergebnisse der „SpoHo“ auf dem Gebiet der Bewegung und der Ernährung sind neu für uns?

Nicht nur auf SpoHo-Ebene, sondern generell in der Wissenschaft finden sich im Bereich der Lebensstilforschung spannende Erkenntnisse. Wenn es rein um Gewicht abnehmen geht, ist das Umstellen auf eine ausgewogene Ernährung nahezu unerlässlich – hier müssen einfach Input und Output zueinander passen. Für die Gesundheit deutlich wichtiger ist aber die sogenannte Körperkomposition, insbesondere der Anteil an Fettmasse zur Muskulatur. Letztere ist schlichtweg gesunderhaltendes Gewebe. Jede Kontraktion führt zur Freisetzung von Faktoren, die dazu beitragen, dass Gefäße gesund bleiben, das Immunsystem gestärkt, der Stoffwechsel optimiert wird.Dabei muss es nicht zwingend hochintensives Training sein, sondern auch Alltagsaktivtäten spielen eine wichtige Rolle. Als Zielvorgabe gilt hier das Erreichen von 10.000 Schritten am Tag.

Werden Kinder in Deutschland wirklich immer dicker? Und wenn ja, wie geht das Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft der Sporthochschule Köln mit dieser Erkenntnis um?

Ja leider; generell ist der Lebensstil von Kindern und Jugendlichen stark von der Nutzung audiovisueller Medien geprägt. Noch dramatischer ist die Erkenntnis, dass auch normalgewichtige Kinder eine ungünstigere Körperkomposition aufweisen. Welche langfristigen Konsequenzen sich daraus ergeben, ist noch offen. Wir versuchen hier in entscheidenden Phasen der Entwicklung gegenzusteuern – das ist zum einen im Rahmen der Schwangerschaft. So führt der gesunde Lebensstil einer werdenden Mutter nicht nur zu weniger Beschwerden während und nach einer Schwangerschaft, sondern auch zu gesünderen Kindern. Außerdem haben wir Programme entwickelt für Tagespflegepersonen, Kindergärten, Grundschulen etc., wie im Schulalltag Gesundheit gefördert werden kann.

KölnTourismus und der Meeting Point Cologne rücken dieses Jahr unter dem Titel „Culinary Cologne“ die kulinarische Seite der Stadt und Region in den Fokus. Welcher Kölner „Food-Trend“ hat Sie in der letzten Zeit am meisten beeindruckt?

Schwere Frage, denn das ist sehr vielfältig und ich bekomme sicherlich nicht alles mit. Ich freue mich aber sehr zu beobachten, dass Restaurants gesundheitliche Trends aufnehmen und auch ökologische Aspekte, wie die Verarbeitung regionaler Produkte betonen. Selbst Fastfood hat sich ein Stückweit gewandelt und Burger schmecken eben nicht mehr nach Pappe.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingslokal in Köln?

Ich liebe die L’Imprimerie, war aber leider schon lange nicht mehr dort.

Weitere Informationen: chilt.de, dshs-koeln.de