Im April 2026 startete die Artemis-II-Mission vom Kennedy Space Center in Florida zu einer rund zehntägigen Reise um den Mond und zurück zur Erde. Es ist die erste bemannte Mondumrundung seit Apollo 17 im Jahr 1972. Die vierköpfige Crew testet dabei zentrale Systeme der Orion-Raumkapsel unter realen Bedingungen im tiefen Weltraum – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu künftigen Mondlandungen.
Ein zentrales europäisches Element der Mission ist das Europäische Servicemodul (ESM), das unter industrieller Führung von Airbus Defence and Space in Bremen entwickelt und montiert wurde. Das ESM versorgt die Orion-Kapsel mit Antrieb, Energie, Sauerstoff und Wasser und übernimmt wesentliche Steuerungsfunktionen. Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt transportiert damit ein nicht-amerikanisches System Astronaut*innen in Richtung Mond. Deutschland trägt rund 50 Prozent zum ESM-Programm bei und steuert die Beiträge über die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR.
Auch aus Köln kommt ein bedeutender wissenschaftlicher Beitrag: Vier weiterentwickelte Strahlungsdetektoren des Typs M-42 EXT des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin messen während der gesamten Mission die kosmische Strahlenbelastung im Inneren der Raumkapsel. Die Crew aktiviert die kompakten Dosimeter nach dem Start und befestigt sie an unterschiedlichen, verschieden stark abgeschirmten Positionen in der Orion. Ziel ist es, ein detailliertes räumliches Bild der Strahlungssituation zwischen Erde und Mond zu gewinnen.
Bereits bei Artemis I im Jahr 2022 lieferte das DLR mit dem Experiment MARE einen umfangreichen Datensatz zur Strahlenexposition jenseits des erdnahen Orbits. Mit der neuen Sensorgeneration M-42 EXT wird der Messbereich erweitert und die Auflösung erhöht. Die gewonnenen Daten sind von zentraler Bedeutung für den Schutz von Astronaut*innen bei Langzeitmissionen und für die Planung nachhaltiger Explorationsprogramme.
Ergänzt wird der deutsche Beitrag durch den CubeSat TACHELES des Berliner Start-ups Neurospace. Der Kleinsatellit wird auf dem Weg zum Mond ausgesetzt und soll in einer stark elliptischen Erdumlaufbahn unter anderem Technologien für künftige Rover-Systeme erproben sowie den Einfluss von Weltraumstrahlung auf Raumfahrtelektronik untersuchen. Damit verbindet die Mission etablierte Industriekompetenz mit NewSpace-Innovationen.
Für den Wissenschafts- und Technologiestandort Köln besitzt Artemis II besondere Relevanz. Mit dem Hauptsitz des DLR, dem Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin und dem European Astronaut Centre der ESA ist die Rheinmetropole ein zentraler Akteur in der europäischen Raumfahrtarchitektur. Die Mission stärkt die internationale Sichtbarkeit dieser Kompetenzen und schafft Anknüpfungspunkte für Kooperationen zwischen Forschung, Industrie und internationalen Partnern.
Artemis II ist damit nicht nur ein technologischer Meilenstein, sondern auch ein Signal für die enge transatlantische Zusammenarbeit. Die Einbindung deutscher und europäischer Schlüsseltechnologien zeigt, wie internationale Partnerschaften im Hightech-Bereich umgesetzt werden – mit unmittelbaren Impulsen für Forschung, Industrie und Wissensaustausch.
Mehr zum Wissenschaftsstandort Köln erfahren Sie hier.
